update 17. Dezember 2011/wymp

Bern

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Gültiger Linienplan ab 12.12.2010

Geschichte und Ausblick

 

Bernmobil; die Verkehrsbetriebe meiner Heimatstadt. Ich versuche die Trams unserer Stadt aus den verschiedensten Optiken abzulichten. Sie gehören zum gewohnten Stadtbild, vielleicht ein Grund, weshalb sie mir lange gar nicht richtig aufgefallen sind.  Man sieht sie, benutzt sie ohne ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Das soll sich nun ändern. Besonders reizvoll finde ich die verschiedenen Werbeanstriche. Beim Ordnen der Bilder ist mir aufgefallen, wie viele originelle Werbeanstriche in Bern bereits existierten, die man schnell vergisst. Auch an den Bildern mit Fahrzeugen, die noch den alten SVB-Anstrich aufweisen habe ich Freude. Da kommen bei mir nostalgische Gefühle auf.

 

Ein wenig Geschichte:

Der öffentliche Verkehr in Bern begann 1871 mit einer kurzen Omnibuslinie in der Innenstadt bis zum Bärengraben. Nach der Inbetriebnahme weiterer Buslinien wurde 1888 die "Berner Tramway Gesellschaft" gegründet, welche 1890 eine erste Tramlinie mit einem Lufttram zwischen dem Bärengraben und Friedhof in Betrieb nahm. 1900 wurden weitere Linien in Betrieb genommen, die mit dem heute noch zu besonderen Anlässen verkehrenden Dampftram bedient wurden. Die Stadt Bern wurde Eigentümerin der Tramlinien und es entstand die "Städtische Strassenbahn" (SSB).

 

1947 wurden die beiden Gesellschaften SSB und Stadt-Omnibus Bern) zu den Städtischen Verkehrsbetrieben (SVB) zusammengeschlossen.  In den 50er Jahren wurde auch in Bern, wie in andern Schweizer Städten die Exixtenz der Strassenbahn in Frage gestellt. Obwohl einige Linien aufgehoben und durch Busse oder Trolleybusse ersetzt wurden, hat man sich in Bern für die Erhaltung wichtiger Linien entschieden. Heute hat sich das Blatt endgültig zur Förderung des Trams gewendet.

 

Mit der Einweihung des neuen Bahnhofplatzes mit dem neuen Trambahnhof, überdacht mit dem sog. "Baldachin" (Stahlkonstruktion mit Glasdach), dem "Tram West", welches  mittlerweile in Betrieb genommen wurde sowie der Aussicht auf weitere Tramlinien, wurde das Tramzeitalter in Bern neu lanciert.

 

Tram Bern-West

 

Am 12. Dezember 2010 war es endlich soweit: Das „Tram Bern-West„ konnte eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Es war der Termin des allg. Fahrplanwechsels in der ganzen Schweiz. Die Berner nahmen diesen Tag zum Anlass ein Fest zu feiern und den Abschluss einer bewegten Geschichte um die Entstehung dieser Tramlinie zu feiern. Es handelt sich dabei um die Ablösung der beiden Trolley-Bus-Linien 13 und 14 nach Bümpliz bzw. Bethlehem/Gäbelbach. Gerade in Stosszeiten erreichte diese Linie Grenzen und an eine Zunahme der Frequenz war nicht mehr zu denken, was gegenüber der stetig zunehmenden Bautätigkeit im Westen Berns unbedingt erforderlich wurde.

 

Tatsächlich geht die Idee einer Tramlinie aus der Stadt bis nach Bümpliz zurück bis ins Jahr 1918 zurück, wurde dann aber vom Gemeinderat Bümpliz kurzerhand wieder abgetan. So dauerte es bis ins Jahr 1995 bis der Berner Gemeinderat einen Kredit von Fr. 250'000.- für einen Ideenwettbewerb für eine Tramlinie in den Westen Berns sprach.

 

Es folgte eine über Jahre hart umkämpfter, politischer Leidensweg des Projekts. Das Berner Volk, sowohl im Kanton als auch in der Stadt musste mehrmals an der Urne seine Stimme zu dieser Vorlage bzw. zu den jeweils vorgelegten Plänen und Finanzen abgeben:

 

  •  Im November 2003 stimmt die Stadt Bern in einer Volksabstimmung dem städtischen Beitrag mit einer Mehrheit von fast zwei Dritteln zu. Die Bevölkerung in Bümpliz und Bethlehem lehnt die Vorlage mehrheitlich ab.
  • Am 16.Mai 2004 stimmt die Berner Stimmbevölkerung mit einer knappen Nein-Mehrheit von 50,4 % gegen den Kantonsbeitrag zum Projekt. Alle Arbeiten für das Tram Bern West werden daraufhin sofort eingestellt.
  • Anlässlich der Volksabstimmung vom 17. Juni 2006 stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt Bern mit 70,3% Ja zu 29.7% Nein dem städtischen Beitrag von Fr. 26 Mio. an die Neuauflage von Tram Bern West überwältigend zu. Die Bewohner von Bümpliz/ Bethlehem lehnen das Tram Bern West aber immer noch knapp mit 53% Nein ab. 
Quelle: trambernwest.ch

Schliesslich wurde am 10. April 2008 mit einem kleinen Volksfest der offizielle Spatenstich in Bümpliz vollzogen. Am 1. September 2010 erfolgte die erste durchgehende Tramfahrt bis nach Brünnen. Im Oktober 2010 konnte der Bau des Tram Bern West abgeschlossen werden. Zum Fahrplanwechsel vom 12. Dezember 2010 konnten die neuen Tramlinien 7 und 8 dem Verkehr übergeben werden.

 

Das "Blaue Bähnli" (RBS-Linie nach Worb) verkehrt bis in die Stadt; ein kurzes Gastspiel.

RBS am Hauptbahnhof Bern Im April 2011 musste das kurze Gastspiel des "Blauen Bähnli am Hauptbahnhof Bern vorübergehend unterbrochen werden.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbindet das "Blaue Bähnli" die Vorortsgemeinde Worb mit der Stadt Bern. Über lange Jahre endete die Linie am Helvetiaplatz auf der Südseite der Kirchenfeldbrücke. Seit 1987 betreibt der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) diese tramähnliche Linie. Wiederum 10 Jahre später, im April 1997, wurde die Endstation der "Linie G" über die Kirchenfeldbrücke bis ins Stadtzentrum beim "Zytglogge" verlängert. Der RBS betrieb diese Linie mit dem aus dem Zürcher Tram 2000 abgeleiteten, dreiteiligen Gelenktriebwagen Be 4/8.

Unter lautem Quietschen biegt der Be 4/10 in die Endstation Fischermätteli ein.

Seit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 wurde die Linie G als neue Tramlinie 6 ins Tramnetz von BernMobil integriert und bis zur Endstation "Fischermätteli" verlängert. Die Fahrgäste des RBS aus Worb und Muri machten davon rege Gebrauch und profitierten von einer höheren Frequenz. So verkehrten zwischen Dezember 2010 und April 2011 nicht nur RBS-Fahrzeuge auf dem BernMobilnetz sondern auch Berner Trams bis Worb. Die Bewohner an der Strecke der neuen Linie 6 hatten dagegen gar keine Freude an den unzumutbaren Lärmbelästigungen der RBS-Triebwagen welche auf diesen Termin um ein viertes, niederfluriges Teil erweitert wurden. So wurden sie zur Be 4/10. Diese Fahrzeuge verursachten namentlich in den Kurven beträchliche Qietschgeräusche, welche von den Bewohnern nicht akzeptiert werden.

 

Die Ursache war bei den Rädern der RBS-Fahrzeuge zu suchen. Das Problem war dem RBS seit 2004 bekannt. Fachleute haben ein neues Rad entwickelt. Im Innern des Rades ist ein Gummielement montiert, welches das Quietschen deutlich reduziert. 

BernMobil ging auf die Protestaktionen der Bewohner sofort ein. Ab April 2011 wurde die Linie 6 am Zytglogge gekappt und bis Fischermätteli mit Bussen aufrecht erhalten.

Seit dem letzten Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 wird die Linie 6 wieder durchgehend von Worb bis Fischermätteli mit Combinos von BernMobil und den RBS-Trams Be 4/10 bedient. Die Radsätze bei den RBS-Trams wurden ausgewechselt. Das Quitschen konnte damit weitgehend eliminiert werden.

 

 

Was bringt die Zukunft?

Im Norden Berns ist die Verlängerung der Tramlinie 9 vom Guisanplatz bis zum Bahnhof Wankdorf im Bau. Zusammen mit der neuen Verkehrsführung mit im Bau sich befindenden Neugestaltung des Wankdorfplatzes wird die Tramlinie 9 um das "Stade de Suisse - Wankdorf" herumgeführt, um dann beim Bahnhof Wankdorf die Pendler aufnehmen zu können, die nicht über den Hauptbahnhof Bern fahren und die Arbeitplätze im Norden Berns erreichen möchten. Damit wird etwas wieder erreicht, was in den 60er Jahren noch Wirklichkeit war, nämlich die unmittelbare Erschliessung des Wankdorfstadions bzw. "Stade de Suisse". Persönlich kann ich mich noch daran erinnern, dass dort die Trams nach den Länderspielen und den Spielen des BSC Young-Boys reihenweise auffuhren und mit  Matchbesuchern wie Sardinenbüchsen aufgefüllt wurden.

 

Weitere Projekte:

 

  • Umstellung der Buslinie 10 von Schliern/Köniz nach Ostermundigen Rüti als Tramlinie: Der Bund ist bereit dieses Projekt mit CHF 31.5 Mio zu unterstützen. Wenn alle Planungshürden störungsfrei genommen werden können, soll der Baubeginn ist 2014 erfolgen.  Dabei werden einige bauliche Knacknüsse zu lösen sein. Interessant ist insbesondere, wie die Endstation der wesentlich erhöhten Rüti in Ostermundigen aussehen wird. Das Tram kann nämlich die dort vorliegende Steigung kaum bewältigen. 
  • Die Verlängerung der Tramlinie von der Endstation Wabern bis nach Kleinwabern wird vom Bund nicht finanziell unterstützt, was einem mindestens vorläufigen Verzicht gleichkommt. Es gibt allerdings Bestrebungen verstärkt durch namhafte Vertretungen aus der Politik, die sich weiter für eine finanzielle Unterstützung durch den Bund einsetzen. Zudem ist eine neue S-Bahnhaltestelle Kleinwabern geplant.

     

 

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